Hat jeder Regentropfen seine eigene Geschichte?

In der letzten Schreibwerkstatt vor den Sommerferien sind die Frauen wieder zusammengekommen und haben verschiedene Schreibstile ausprobiert.

Die geschriebenen Texte wurden laut in der Gruppe vorgelesen. Daraufhin wurde gemeinsam über das Vorgelesene diskutiert. Des Weiteren wurden gegenseitig Erfahrungen ausgetauscht.

In diesem Workshop wird über die Rolle der Frauen, Rassismus, Arbeitnehmerinnenrechte, Frauenrechte, Sehnsüchte und Integration in Deutschland gesprochen. Zusätzlich wurde rege darüber diskutiert, welche Rolle der Frauenverband in ihrem Leben einnimmt. Diese Themen wurden auch in ihren Geschichten wiedergegeben.
In diesem Sinne wird in den Workshops nicht nur die stilistischen Aspekte, sondern auch die inhaltliche Diskussion gefördert, was die Arbeit noch umfangreicher macht und somit eine Bereicherung ist.

Zum Beispiel hat die autobiografische Geschichte von Elif, welche den Streik behandelt, den sie selbst erlebt hat, dazu geführt, dass die Frauen sich an Erlebnisse aus ihrem eigenen Leben erinnert haben. Auf diese Weise wurde das Thema Streik und Gewerkschaft besprochen und auch persönliche Erfahrungen von den Frauen geteilt.
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„Sie hat sich ans Fenster gesetzt. Während sie aus dem Fenster schaut und sich mit ihren Kolleginnen unterhielt. Sie bemerkt die Regentropfen, die ans Fenster klopfen. Es hat angefangen zu regnen, sagt sie zu ihrer Kollegin und beobachtet, wie die Regentropfen das Fensterglas hinab rutschen und sich auflösen. Dabei fragt sie sich, ob jeder Regentropfen seine eigene Geschichte hat“ – Elif

Der einfache Schreibstil und die Schwerpunkte der Beschreibungen am Anfange haben den Frauen gefallen. Der Ort der Handlung, die Fabrik, der eigentliche Streikgrund und andere Dinge, die in der Handlung nicht so klar dargestellt wurden, haben die Frauen angemerkt.

Zu langen Diskussionen führten auch die Texte von Selma.
Als Sonderpädagogin und als derzeit tätige Erzieherin in einem Kindergarten, hat sie ihre Beobachtungen auf die Problematik der Integration der Kinder und deren Eltern fokussiert.
Hierbei ließ sie die Integrationspolitik der Regierung beiseite und stellt diese Frage:
Wieweit wollen die MigrantInnen sich hier integrieren?
In diesem Kontext brachte Selma die Klischees der oft verwendeten Argumente hervor. Insbesondere betonte Selma das Erlernen der deutschen Sprache als elementar wichtig.

Sie gab einige Beispiele von den Vorurteilen der Türkeistämmigen in Deutschland wieder:
„Die Deutschen haben zu viele Regeln, alles ist diszipliniert, sie sind nicht locker, sie sind langweilig; unsere Bräuche und Gepflogenheiten sind besser…“

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Egal in welchem Alter wir sind, wir müssen die Sprache der Gesellschaft lernen, in der wir leben. Die Sprache zu lernen, bereichert unser Leben. Es ermöglicht vor allem, eine bessere Arbeit zu bekommen, die Gesetze und die eigenen Rechte zu kennen und auch in der Lage zu sein, soziale Kontakte zu schließen.

„Ich kenne viele Frauen, die seit 40-50 Jahren in Deutschland sind, 3-4 Kinder groß gezogen haben und gerade 50 deutsche Wörter kennen“

Lasst uns gemeinsam einen Tee trinken!

Im Rahmen des Projektes “Bibliothek der Alten” treffen wir uns am 18.06.2016 um 14:30 Uhr im Historischen Museum. Bei Tee und Köstlichkeiten werden wir uns unterhalten.
Bei dieser gemütlichen Teestunde wird die Kuratorin Dr. Angela Janelli anwesend sein und wir werden mit den Gästen über frauenspezifische Themen diskutieren und gemeinsam über Lösungsansätze reden.Der Bundesverband der Migrantinnen in Deutschland e.V. hat 2015 sein zehnjähriges Gründungsjubiläum in Köln gefeiert. Das Programm fängt mit dem Jubiläumsfilm des Verbandes an und wird mit dem Frauenchor weitergeführt.

Die Besucher werden ebenfalls die Ausstellung mit dem Titel “Das ABC des Bundesverbandes der Migrantinnen – Ein weibliches Wörterbuch” besichtigen können.

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Das ABC-Wörterbuch ist ausgehend von unserer 10-jährigen Arbeit in Projekten, von unserer Zeitschrift “Kadin” und vor allem von dem Kontakt, den wir zu den Frauen hergestellt haben, entstanden.
Frauenvereine und –gruppen aus 11 Städten und über 200 Frauen aus ganz Deutschland haben die Buchstaben von A bis Z in ihren Gruppen besprochen, diskutiert und zusammen erarbeitet. In der türksichen Sprache gibt es 29 Buchstaben im Alphabet, sodass das Wörterbuch 29 Einträge beinhaltet.Wir laden euch herzlich ein mit uns gemeinsam am 18.06.2016 um 15 Uhr zusammen Tee zu trinken und uns dabei über unsere Arbeit und unser Projekt zu unterhalten.

Datum: 18. Juni 2016
Uhrzeit: 14:30 Uhr
Ort: Historisches Museum Frankfurt, Fahrtor 2, 60311 Frankfurt am Main

* Eintritt ist frei.

Ausstellung zum 10-jährigen Bestehen des Bundesverbands der Migrantinnen e.V.

Der Bundesverband der Migrantinnen e.V. wird am 28 November 2015 in Köln ihr 10-jähriges Bestehen feiern. Im Foyer der Stadthalle Köln-Mülheim wird auch eine Ausstellung zu sehen sein, die wir gerade im Rahmen des Projekts „Bibliothek der Alten“ zusammenstellen.

Die Ausstellung trägt das Motto „Das ABC des Bundesverbands der Migrantinnen“. Damit möchten wir zum Einen unseren Bundesverband vorstellen, zum Anderen die Erfahrungen aus den bisherigen Kämpfen der Frauen weitergeben.

Der Ausstellung dienen unsere Projekte, Aktivitäten, Pressemitteilungen, Beiträge in unserer Zeitschrift „FRAU/KADIN“ aus den letzten 10 Jahren als Grundlage. Genauso wichtig ist uns aber auch der Anteil der Kontakte zu Frauen, die wir in dieser Zeit aufbauen konnten, sowie deren Gefühle, die das gemeinsame Handeln bei ihnen erweckte. Mit der Ausstellung möchten wir also ein „WEIBLICHES WÖRTERBUCH“ erstellen, das die Arbeit, Ansätze und Tätigkeitsfelder unseres Bundesverbands vorstellt.

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Das ABC des Bundesverbands der Migrantinnen: ein weibliches Wörterbuch

Mit unserer Ausstellung verfolgen wir das Ziel, die Sprache und somit auch die politische, ökonomische und soziokulturelle Welt zu beschreiben, die das Patriarchat den Frauen aufzwingt. Dabei werden Begriffe aus der Agenda des Bundesverbands anhand kurzer Texte oder visueller Exponate erläutert. Schließlich werden die auf lokaler Ebene produzierten Beiträge zusammengetragen. Wir hoffen auch, dass die Ausstellung später in weiteren deutschen Städten und im Ausland zu sehen sein wird.

Um eine Vielzahl von Frauen erreichen zu können, werden wir einen Ausstellungskatalog erstellen, der nicht nur die Texte und visuellen Exponate, sondern auch Notizen und Fotos aus der Vorbereitung sowie Einträge aus Gästebüchern umfassen wird. Der Katalog wird dreisprachig (Türkisch, Deutsch und Englisch) erscheinen und bis zum Jahr 2015 in einem Fach der „Bibliothek der Alten“ ausgestellt bzw. aufbewahrt.

Frauen, die in verschiedenen Städten Deutschlands als Mitglied unseres Bundesverbands aktiv sind, stellen derzeit eine „A-bis-Z-Liste“ zusammen. Darin zeigen sie, welche Bedeutung Begriffe, Objekte, Emotionen und selbst Farben für sie haben, wenn sie die letzten 10 Jahre Revue passieren lassen. Ihre Antworten werden sie dann in ihren eigenen, bereits bestehenden bzw. neu aufzunehmenden Fotos festhalten.  Daran wirken über 200 Frauen in 9 Städten mit. Auf das Ergebnis mit 29 (so viele Buchstaben hat das türkische Alphabet) Exponaten freuen wir uns jetzt schon.

Gegen Rassismus und Ausgrenzung – Für Gerechtigkeit und Gleichstellung!

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Film ab!

Am 30. November haben wir unseren ersten Workshop von der Dokumentarfilm Arbeitsgruppe. Als erstes hat uns die Projektleiterin Çiğdem Artan über die Methodik der „mündlichen Erzählung“ informiert. Die Gruppe konnte dem Vortrag mit einem von Çiğdem vorbereiteten Konzeptpapier folgen, detaillierte Fragen stellen und über die Anwendung der „mündlichen Erzählung“ diskutieren.

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Danach wurde darüber nachgedacht welche Themen, Fragen und Zielpersonen man für den Dokumentarfilm verwenden könnte, und wie man die zusammengetragenen Informationen am besten nutzen sollte.

Zum Schluss war man sich einig, dass die gesammelten Ideen und Vorschläge, beim nächsten Treffen der Arbeitsgruppe, weiter ausgearbeitet werden sollten.

Nach einer kurzen Pause begann der zweite Teil der Gruppenarbeit. Hier wurde, um das Beispiel der „mündlichen Erzählung“ zu veranschaulichen, ein Kurzfilm von Leyla Neyzi und Haydar Darıcı angeschaut. In dem Film erzählen Jugendliche aus Diyarbakir und Mugla, anhand ihrer eigenen Erfahrungen, wie sich der Westen und Osten gegenseitig wahrnehmen.

Der Film dreht sich um verschiedene Fragestellungen:
„was denken die Jugendlichen über aktuelle Geschehnisse?“

„was für Spuren hat der 30. Jährige Bürgerkrieg im Bewusstsein der Jugendlichen hinterlassen?“

Und am wichtigsten:
„was halten Jugendliche aus dem Westen und Osten, ob Kurden oder Türken, voneinander?“

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Nach dem Film wurde, mit zahlreicher Beteiligung der Frauen über den Inhalt des Films und die Methodik der „mündlichen Erzählung“ gesprochen.

Es wurde festgestellt, dass es auch in Deutschland, zwischen Deutschen und Migranten, gewisse Parallelen zu den in der Türkei herrschenden Vorurteilen gibt.

Schließlich wurden Ideen und Vorschläge für die zweite Gruppenarbeit, am 14.12 um 14.30Uhr, gesammelt.

Den Kurzfilm und weitere detaillierte Informationen kann man auch im Internet unter folgender Adresse finden: www.gencleranlatiyor.org (mit Englischen Untertitel)

Bis zum nächsten Treffen!

Besichtigung zur Bibliothek der Alten

In der Arbeitsgruppen- Versammlung am letzten Wochenende hatten die Frauen vereinbart sich heute im Historischen Museum das Projekt Bibliothek der Alten anzusehen.

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Die Frauen haben sich einige schon fertige Projekte angesehen, um sich Anregungen für Ihre Arbeitsgruppen zu holen. In dem sie sich den Inhalt einiger Schachteln angesehen haben wie: Fotoalben, Lebensgeschichten, persönliche Dinge ,die unterschiedliche Zusammenstellung der Materialien und die Anordnung derer, konnten sie sich ein Bild von dem Projekt machen.

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Das Schildchen der Bundesverband der Migrantinnen e.V. hatte wie die übrigen Schriftsteller seinen Platz im Regal gefunden. Das Regal Nummer 119 wartet darauf mit dem Leben der Migrantinnen gefüllt zu werden. Diese Geschichten werden dann 105 Jahre aufbewahrt.

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Die Frauen, die an dem heutigen Treffen nicht teilnehmen konnten, haben am Mittwoch dem 12. November nochmals die Möglichkeit sich das Museum anzusehen.

*Die Besichtigung in diesem Rahmen ist kostenfrei.

Die Arbeitsgruppen für die Bibliothek der Alten

Die Gründung der Arbeitsgruppen für die Bibliothek der Alten erfolgte heute, nachdem zuvor das Projekt im Juni 2014 den Frauen vorgestellt wurde. Bevor die Arbeitsgruppen vorgestellt wurden, wurde zunächst die Kampagne „Finanzielle Unterstützung für die Frauen in Kobane“ ins Leben gerufen. Alle Einnahmen des Vereins aus dem Verkauf von Essen und Getränken galten als eine direkte Spende für Kobane. In diesem Rahmen sind weitere Aktionen in Planung. Die Vorstellung der Arbeitsgruppen erfolgte in zwei Teilen.

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Im ersten Teil hat jede Verantwortliche die jeweilige Arbeitsgruppe und ihre Inhalte vorgestellt. Insgesamt gibt es 9 Arbeitsgruppen, zu der die Interessentinnen Fragen stellen und sich anschließend anmelden konnten. Die Themen der Arbeitsgruppen reichen von einem Ein-Jahres-Tagebuch des Vereins bis zu einem Dokumentarfilm oder einer Schreibwerkstatt mit einem 10-Jahresbuch. Auch dem Frauenchor und dem Kreativ- und Malkurs wurde jeweils eine Arbeitsgruppe zugeteilt. Die Frankfurter Migrantinnen haben jedoch die Frauengruppen und Vereine, die sich in ganz Deutschland für die Gleichberechtigung und ihre Rechte einsetzen, nicht vergessen. Anlässlich des 10. Jahrestag der Gründung des Bundesverbandes der Migrantinnen wird eine spezielle Arbeitsgruppe diesbezüglich einen Film vorbereiten. Hierzu werden die Aufnahmen und Videos von den Vereinen in ganz Deutschland zu einem Dokumentarfilm über den Verband zusammengeschnitten.

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Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde ein kreativer Workshop durchgeführt. Die Frauen haben sich zunächst in Gruppen aufgeteilt. Aus jeder Gruppe wurde eine Frau als Model von den anderen Frauen mit vielen bunten Stoffen nach ihrer Vorstellung angekleidet. Hier konnten die Frauen experimentieren und sich kreativ austoben. Schließlich wurden verschiedene Frauentypen kreiert: eine Gastarbeiterin, die nach Deutschland kam; eine kurdische Asylantin, deren Dorf verbrannt wurde; eine Sultan aus einem Harem; eine Frau, die als Ehegattin aus der Türkei nachgezogen ist und von der Familie des Ehemannes unterdrückt wird.

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In den kommenden Tagen werden die Termine der Arbeitsgruppen bekanntgegeben. Die Inhalte und die jeweiligen Details werden in jeder Arbeitsgruppe intern besprochen und beschlossen. Alle Frauen sind herzlich eingeladen, sich an den Arbeitsgruppen mit ihren Ideen zu beteiligen.